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Privates Vermögensmanagement unternehmerisch steuern.

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      04.06.2014 - Forschungsprojekt

      Foto: Universität Witten-Herdecke

      Family Office als Instrument für die wirtschaftliche Bestandssicherung der Unternehmerfamilie

      Liebe Leserinnen und Leser,

      die Wirtschafts- und Finanzkrise 2007/08 hat bleibende Spuren hinterlassen. Nicht nur, dass sie gezeigt hat, wie fragil die Finanzmärkte sind und welche gravierenden Folgen sie für die Realwirt-schaft entwickeln können, sondern sie hat auch nachhaltig das Vertrauen in die Institutionen der Finanzmärkte und hier vor allem in den Bankensektor beeinflusst. Ob Kleinanleger oder die Besitzer großer Vermögen, sie alle begegnen heute dem Bankensektor und die von ihm angebotenen und gehandelten Produkte mit großem Misstrauen. Dabei wäre gerade in den Zeiten der Krise im Eurosystem, den bestehenden Inflationsängsten und weiter wachsender Staatsverschuldung wie in den USA oder Japan das Vertrauen gegenüber den Finanzinstitutionen wichtig. Die Anleger sind auf der Suche nach vertrauenswürdiger und unabhängiger Beratung und nach transparenten Chancen und Risiken in ihrer Anlageentscheidung. Die Suche nach institutionellen Alternativen zur klassi-schen Bankberatung hat längst sowohl auf Nachfrager- als auch auf Anbieterseite begonnen.

      Insbesondere wenn es um den Bereich großer Privatvermögen geht, erfreuen sich in den letzten Jahren besonders Family Offices wachsender Beliebtheit. Im Mittelpunkt des Angebots von Family Offices steht die bankenunabhängige Verwaltung großer Privatvermögen. Die Idee des Family Office stammt aus den USA. 1838 hat J.P. Morgan mit seinem „House of Morgan“ das erste Family Office zur Verwaltung des Vermögens der Familie Morgan gegründet. Aus dem sogenannten Single Family Office wurde dann, da man die Verwaltung des Vermögens weiterer Familien hinzunahm, ein Multi Family Office. Seit den 1990er Jahren hat sich die Idee der Family Offices auch in Deutsch-land durchgesetzt. Anlass für die Gründung eines Family Offices ist die Schaffung von Privatvermö-gensstrukturen, die der Bedarfssituation der eigenen Unternehmerfamilie entspricht. Vergleichbar ist die Idee mit der Schaffung eines familieneigenen Vermögensmanagements, auch wenn dieses durch ein Team von verschiedenen Mitarbeitern realisiert wird. Von Bedeutung ist hierbei, dass diese Mitarbeiter ausschließlich dem Interesse der Familie und deren Bedürfnissen verpflichtet sind.

      In den letzten Jahren ist der Anbietermarkt daher für Family Office Dienstleistungen rasant gewach-sen. Die Folge sind zunehmend intransparente Anbieterstrukturen, die es den Nachfragern mehr und mehr erschweren, ein ihren individuellen Vorstellungen entsprechendes Angebot vorzufinden. Umgekehrt sind die Präferenzen und Vorstellungen der Nachfrager zu Family Office Dienstleistun-gen extrem heterogen, so dass auch auf Seiten der Anbieter nur sehr wenig Wissen darüber besteht, welche Präferenzen die Nachfrager haben und welche Leistungen sie erwarten. Gerade für einen Markt, auf dem Güter mit Vertrauenseigenschaften gehandelt werden, ist diese Intransparenz eine wenig befriedigende Situation.

      Auf der Basis dieser Entwicklungen hat die WSH in Zusammenarbeit mit Prof. Schmidt von der Universität Witten/Herdecke eine empirische Befragung über tatsächliche und potenzielle Kunden (insgesamt über 600 Familienunternehmer und –unternehmerinnen mit einen Jahresumsatz von mindestens 50 Mio. Euro) durchgeführt, um auf deren Basis wichtige Erkenntnisse über die Vorstel-lungen der Nachfragerseite über Family Office Dienstleistungen in Erfahrung zu bringen. Über die wichtigsten Ergebnisse wollen wir heute berichten.

      Family Office – Das unbekannte Wesen

      Auch wenn in den letzten Jahren der Markt für Family Office Dienstleistungen hohe Zuwachsraten zu verzeichnen hatte, so ist im Rahmen der Befragung der Familienunternehmer und –unternehmerinnen immer noch eine große Skepsis gegenüber Family Office Dienstleistungen zu konstatieren. Von den Befragten gaben nur knapp 7,5 % an, bereits ihre Vermögenssteuerung einem Family Office übertragen oder eines selbst gegründet zu haben. 83 % der Befragten gaben an, ihre Vermögenssteuerung durch traditionelle Institutionen und Instrumente zu realisieren. In diesem Zusammenhang ist daher auch wenig überraschend, dass knapp 91 % aller Befragten angaben, noch niemals in der Vergangenheit Erfahrungen mit Family Office Angeboten gesammelt haben. Das Leistungsangebot eines Family Office ist daher in Deutschland nach wie vor wenig bekannt. Insbesondere wird die Rolle, die ein Family Office beim Aufbau und der Steuerung des Privatvermögens einnehmen kann, nicht in seiner ganzen Bandbreite wahrgenommen.

      Die Steuerung des Privatvermögens ist primär Privatangelegenheit

      Für 60 % der Familienunternehmer und –unternehmerinnen hat das Privatvermögen im Vergleich zum Firmenvermögen eine sehr hohe bzw. hohe Bedeutung. Obwohl die meisten Unternehmer und Unternehmerinnen die Vorteile der Arbeitsteilung und Spezialisierung in ihrem Unternehmensalltag zu schätzen wissen, bleibt die Steuerung des Privatvermögens in der Hauptsache eine Privatangelegenheit.

      So gaben 79,2 % der Befragten an, dass sie ihr Privatvermögen hauptsächlich selbst steuern. Allenfalls wird bei der Steuerung des Privatvermögens der Rat verschiedener Banken (30,2%) oder der Rat der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer (15,1%) hinzugezogen. Danach folgen die Vermögenssteuerung durch Mitarbeiter im Unternehmen, durch Vermögensberater oder durch die Hausbank. Als Grund für die Selbststeuerung gab der Großteil der Befragten das geringe Vertrauen gegenüber Banken und Vermögensverwaltern an. Gerade die letzten Jahre der Finanzkrise seien hierfür ausschlaggebend gewesen. Sie sehen jedoch bislang keine Alternative zu den klassischen Finanzdienstleistern. Dabei ist es überraschend, dass Family Offices hier nur eine untergeordnete Bedeutung einnehmen. Dies mag daran liegen, dass das Leistungsangebot von Family Offices nicht hinreichend bekannt ist. Insbesondere die Möglichkeit, sein eigenes Vermögen professionell und transparent in Eigenregie mit einem Multi-Family-Office zu managen, ist nicht ausreichend im Bewusstsein der Familienunternehmer und –unternehmerinnen verankert.

      Die obige Abbildung zeigt deutlich, dass Unternehmer und Unternehmerinnen die Steuerung ihres Vermögens gern in Selbstverantwortung verwirklichen. Dabei greifen zwar 36,5 % auf die Unter-stützung von Experten zurück, ziehen es aber vor, die Allokation des Privatvermögens in der Eigenverantwortung zu belassen. Dabei sind sie durchaus bereit, nicht immer die perfekten und richtigen Entscheidungen zu treffen. Effektivitätsverluste werden dabei durchaus mit berücksichtigt. Dies zeigt sich insbesondere darin, dass nur knapp 17 % der Befragten mit den Ergebnissen ihrer Entscheidungen sehr zufrieden waren.

      Interessenkonfliktfreiheit und Unabhängigkeit werden als die wichtigsten Leistungen eines Family Office von den Probanden priorisiert. Allerdings bestehen auf Seiten der Nachfrager keine klaren Vorstellungen darüber, mit Hilfe welcher Angebotsstrukturen und Regelungen diese Eigenschaften glaubwürdig am Markt signalisiert werden können. Dem Verzicht auf den Vertrieb von Eigenpro-dukten und von Provisionseinnahmen wird von Seiten der Nachfrager zunächst für uns auch überraschenderweise keine allzugroße Bedeutung zugemessen. Denn gerade dieser Verzicht ist ein wichtiges Signal dafür, dass ein Family Office sich primär an den Interessen seiner Mandanten ausrichtet und nicht an der Maximierung von Eigeneinnahmen.

      Berücksichtigung der Besonderheiten eines Familienunternehmens

      Im Rahmen der Befragung wurde auch gefragt, welche Eigenschaften einem Family Office insge-samt zugeschrieben werden. Hierbei wird deutlich, dass insbesondere die Kenntnisse über die Besonderheiten eines Familienunternehmens und deren Berücksichtigung als die wichtigste Eigenschaft eines Family Office genannt wurden. Die häufigsten Antworten bezogen sich auf die Berücksichtigung der Familiensituation (60,4%), sowie der Unterstützung der Familienstrategie (49 %). Bezüglich der Vermögenssteuerung wurde als wichtigste Eigenschaften die Ganzheitlichkeit und Unabhängigkeit genannt. Andere Eigenschaften, wie beispielsweise unabhängiges Controlling, Transparenz oder gar Fairness bei der Steuerung des Privatvermögens, wurden nur von weniger als einem Drittel der Befragten genannt. Family Offices werden daher offensichtlich primär vor allem in ihrer Rolle als Dienstleister für Familienunternehmen wahrgenommen. Die Fragen nach der Steuerung des Familienvermögens spielen hierbei offensichtlich nur eine untergeordnete Rolle. Fragt man die Familienunternehmer, welche Konfliktpotenziale sie in ihrem Familienunternehmen als relevant erachten, so wird der Aufbau und die Steuerung des Familienvermögens am wenigsten genannt. Priorisiert werden dagegen die Fragen der Nachfolge, der Interessenharmonisierung zwischen den Familienmitgliedern und die Trennung zwischen Familie und Unternehmen.

      Fasst man die Ergebnisse unserer Befragung zusammen, so lässt sich feststellen, dass Family Offices nach wie vor in der öffentlichen Wahrnehmung unterrepräsentiert sind. Dies kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie von Familienunternehmern und –unternehmerinnen als wichtiger Dienstleister insbesondere im Bereich des Angebots spezifischer Dienstleistungen für Familienunternehmen wahrgenommen werden. Ihre Fähigkeit, eine aktive Unterstützung beim nachhaltigen Aufbau eines Privatvermögens zu leisten wird anerkannt, jedoch noch nicht als deren wichtigste Eigenschaft angesehen. Insbesondere die Verbindung zwischen Selbststeuerung des Privatvermögens und die aktive Unterstützung, die hier ein Family Office zu leisten vermag, wird als solche oftmals noch nicht erkannt. Die Umfrage hat aber auch gezeigt, dass von denjenigen, die bereits Erfahrungen mit einem Family Office gesammelt haben, Family Offices insgesamt, sowie deren Beitrag zum Aufbau eines Privatvermögens weitaus positiver beurteilt wird.

      Die WSH sieht sich in ihrem Wirken durch diese Ergebnisse bestätigt. Insbesondere in unserem Kernanliegen, ein interessenkonfliktfreies Dienstleistungsangebot für Familienunternehmen anzubieten, sehen wir uns auf dem richtigen Weg. Wir werden weiter daran arbeiten, für unsere Mandanten auch diese Interessenkonfliktfreiheit nach außen transparent zu gestalten, um somit weiterhin ein attraktiver Partner für die von uns betreuten Familien zu sein. Darüber hinaus wollen wir deutlich machen, dass der Wunsch nach Selbststeuerung des Privatvermögens bei gleichzeitig professioneller Unterstützung kein Widerspruch ist, sondern durch die Idee eines Family Office seine Umsetzung findet.

      Mit besten Grüßen,
      Ihr

      Prof. Dr. André Schmidt, Christoph Weber

      WSH Deutsche Vermögenstreuhand und Family Office
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