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Privates Vermögensmanagement unternehmerisch steuern.

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      23.10.2014 - WSH Schlossgespräche

      Der Auf- und Abstieg der Familie Buddenbrook. Hätte eine Familienverfassung helfen können?

      Kaum einem Schriftsteller ist es besser gelungen, den Niedergang einer einst überaus erfolgreichen Unternehmerfamilie innerhalb von drei Generationenfolgen zu beschreiben, als Thomas Mann in seinem Roman „Buddenbrooks“. Die renommierte Kaufmannsfamilie ordnet in dem Werk ihr ganzes Handeln und Denken den Unternehmungen der eigenen Firma unter. Zu Beginn stehen Ruhm, Gesundheit und finanzielle Erfolge, am Ende Scheidung, Krankheiten, Tod und der Verlust des Familienunternehmens. Nachdem Jean Buddenbrook das Unternehmen seines Vaters zu neuer Blüte führte, konnte schon die nachfolgende Generation einen langsamen Verfall des Familienbetriebes kaum mehr verhindern. Familiäre Konflikte zwischen den Geschwistern Thomas, Christian sowie Toni und den angeheirateten Ehegatten führten zum Niedergang des Imperiums. Vom wirtschaftlichen Höhepunkt hin zum Scherbenhaufen – unternehmerisch, finanziell und privat.

      Heute findet das Instrument der sog. „Familienverfassung“ bei der interessierten Öffentlichkeit immer mehr Aufmerksamkeit. Hätte nun ein solcher innerfamiliärer Kodex dem Verfall der Familie und ihres Vermögens Einhalt gebieten zu können? Die Grundlage für die Beantwortung dieser Frage haben wir am 23. Oktober 2014 gemeinsam mit einem kleinen Kreis von Unternehmerinnen und Unternehmern, Clemens von Ramin und Professorin Sabine Rau gelegt.

      Die Weltwirtschaft in der Zeit der Buddenbrooks (1835–1875)

      Wer glaubt, die guten alten Zeiten waren besser als die Gegenwart, muss sich getäuscht sehen. Die Zeit der Buddenbrooks war eine ungemütliche und nicht weniger turbulente Zeit als die heutige. Deutschland stand an der Schwelle der Industrialisierung. 61% der Erwerbstätigen waren im Jahr 1800 noch im Agrarsektor beschäftigt. Erst 1870 war der Wandel zur Industriegesellschaft vollzogen. Der Anteil der Beschäftigung im Industriegütersektor konnte dann den des Agrarsektors überflügeln. Die ökonomische Situation in Deutschland stand daher ganz im Zeichen des strukturellen Wandels. Treiber dieses Wandels waren vor allem die Intensivierung des Handels innerhalb Deutschlands. Mit der Gründung des Zollvereins 1834 und der damit verbundenen Schaffung eines Binnenmarktes zwischen den verschiedenen deutschen Kleinstaaten konnten erste Wohlfahrts-gewinne des Handels realisiert werden. Gleichzeitig stieg aber damit auch der Wettbewerbsdruck für viele, primär regional tätige Unternehmen. Ein zweiter Treiber war zum anderen die technische Revolution durch die Entwicklung der Dampfmaschine und die von ihr ausgehende Technologisie-rung der Fertigung. Überall in Europa entstand das Eisenbahnwesen, welches zu einer erheblichen Reduktion der Transportkosten führte und damit den Handel weiter beschleunigte. Gleichzeitig stieg die Nachfrage nach Stahl und Eisenprodukten, was die Industrialisierung weiter vorantrieb. Mit der fortschreitenden Industrialisierung ging aber auch eine Liberalisierung des Banken- und Finanzwesen einher. Die moderne Kreditwirtschaft dient der Finanzierung der hierfür erforderlichen Großinvestitionen.

      Das Entstehen spekulativer Blasen ließ daher auch nicht lange auf sich warten. Aufgrund der erheblichen Überinvestitionen in den Eisenbahn- und Schwerindustriegütersektor kam es zwischen 1857 und 1859 zu erheblichen rezessiven Entwicklungen in der Weltwirtschaft, die auch in Deutschland zu einer deutlichen Eintrübung des Wirtschaftslebens führte. Es dauerte bis 1866/67 bis in Deutschland und der Welt die wirtschaftliche Entwicklung wieder anzog. Allerdings fand dieser Aufschwung 1873 durch die Gründerkrise ein schnelles Ende. Aufgrund der Liberalisierung des Aktienwesens kam es zu einem Börsencrash und einer darauf folgenden Depression, die schon einen kleinen Vorgeschmack darauf gab, was die Weltwirtschaft im Jahre 1929 erfahren sollte.

      Aufgrund der doch wenig kontinuierlichen Entwicklung stand neben den ökonomischen Fragen auch die Frage der sozialen Spaltung im Vordergrund. Nicht umsonst hielten zu dieser Zeit die Arbeiten von Karl Marx und Friedrich Engels Einzug in die ökonomischen Diskussionen. Während die Unternehmensgewinne in diesem Zeitraum stark stiegen, blieben die Reallöhne der Arbeiter weitgehend konstant. Da aufgrund der Landflucht der Produktionsfaktor Arbeit reichlich vorhanden war, führten die aus den technologischen Entwicklungen resultierenden Produktivitätsfortschritte nicht zu steigenden Reallöhnen, während die Unternehmensgewinne kräftig anhoben. Ein politisches Ergebnis dieser ökonomischen Entwicklung war die stärkere Organisation der Arbeiterschaft, aus der dann später auch einmal die SPD hervorgehen sollte. Um dem Druck der linken Bewegungen zu begegnen sah sich Bismarck später gezwungen die Sozialversicherungen, die dem Bismarck´schen Wohlfahrtsstaat kennzeichnen, einzuführen.

      Die gesellschaftspolitische Entwicklung in Deutschland war durch den Aufstieg des Bürgertums gekennzeichnet. Während in England und Frankreich das Bürgertum bereits eine wesentliche Entwicklung genommen hatte, stand die Entwicklung bürgerlicher Werte in Deutschland noch am Anfang. Das deutsche Bürgertum orientierte sich noch am deutschen Adel, es war ständisch geprägt, konservativ und protestantisch. Werte wie Disziplin, Arbeitseifer und Fleiß standen im Vordergrund. In den meisten bürgerlichen Familien bestand die Dominanz des Patriarchen, es galt als frevelhaft, dieses System in Frage zustellen.

      Risiken und Chancen beim Generationswechsel in Familienunternehmen – Nachfolgeplanung
      mit Hilfe der Familienverfassung

      Wie komplex die Nachfolgeregelung sowohl fachlich als auch psychologisch in inhabergeführten Familienunternehmen sein kann, weiß Sabine Rau aus eigener Erfahrung. Dem einen Unternehmer fehlen die Erben – entweder weil keine vorhanden sind oder weil sich keiner fachlich in der Lage sieht, die Herausforderung anzunehmen – bei dem anderen gibt es Streit, der Dritte versucht es mit einem externen Management. Die Art der Übergabe entscheidet über das Wohl und Leid des Unternehmens. Professorin Rau war von 1991 bis 1993 Geschäftsleitungsmitglied beim Margarinehersteller Walter Rau. Heute ist sie Professorin und Inhaberin des Lehrstuhls für Familienunternehmen an der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar.

      Der anspruchsvollen Aufgabe der Nachfolgeplanung darf sich kein Unternehmern entziehen, denn nur die frühzeitige Auseinandersetzung mit den Erkenntnissen, den künftigen Strategien und Instrumenten, die eine gelungene Ablösung ermöglichen, führt das letzte Großprojekt des Patriarchen zum Erfolg. Wo früher traditionelle Richtlinien den Weg der Nachfolge angaben, gibt es heute mehrere Optionen, derer sich der Unternehmer bedienen kann. Noch vor einigen Jahrzehnten war es üblich, dass der älteste Sohn den Betrieb übernahm, es herrschte Klarheit aufgrund ungeschriebener Gesetze. Heute könnten die älteste oder jüngste Tochter, die Kinder als Gemeinschaft die Nachfolge antreten, oder die Geschwister gehen in die Eigentümerrolle über und setzen ein aktives Fremdmanagement ein. Der größere Entscheidungsspielraum eröffnet für den Unternehmer somit Chancen für beides: Erfolg und Misserfolg.

      Die intensiven und langjährigen Forschungsaktivitäten, die Tatsache Mitglied in der dritten Generation einer mittelständischen Unternehmerfamilie zu sein und die zahlreichen persönlichen Gesprächen mit Unternehmern und deren Familien ermöglichten es Professorin Rau eine Klassifizierung von Unternehmertypen vorzunehmen. Am Abend der WSH Schlossgespräche beleuchtete Sabine Rau diese vier Typen und zeigte anhand verschiedener Praxisbeispiele die vielschichtigen und vielseitigen Schnittstellen zwischen dem Patriarchen, seiner Familie und der Firma auf.

      Deutlich wurde zudem, dass die Erziehung der Nachfolgegeneration die Grundlage für eine gelungene Eigentümernachfolge ist. Wenn der Unternehmer das Thema Unternehmensnachfolge in die Erziehung einbaut, wenn das älteste Kind bereits zwanzig Jahre alt ist, nimmt er sich der Sache zwanzig Jahre zu spät an. Wenn er seine Kinder dazu erzieht, nie zu widersprechen und gleichzeitig betont, dass man sich Anerkennung, Respekt und Liebe durch Leistung verdienen muss, sorgt er für eine starke Konkurrenz zwischen den Geschwistern und fördert Disharmonie innerhalb der Familie. Der Unternehmer dagegen, der sein Kind ohne Bedingungen liebt, diesem aber zugleich verdeutlich, dass das Unternehmen ein eigenes Recht auf Überleben hat und die Eigentümer eine Pflicht und große Verantwortung tragen, der entkoppelt die Themen Liebe und Respekt und ist damit auf dem richtigen Weg, sein Unternehmen in die nachfolgende Generation zu führen. Die Familie ist also das Rückgrat des Familienunternehmens und Ort der Harmonie.

      Mehr als 4.400 große Familienunternehmen in Deutschland mit mehr als 250 Mitarbeitern und mehr als 250 Millionen Euro Jahresumsatz werden noch von Eigentümern geführt oder mitgeführt. Und so darf noch eine These des Abends angesprochen werden: Auf Dauer bleibt ein Familienunternehmen nur erhalten, wenn es einen maßgeblichen Einfluss der Familie sicherstellt. Das kann sowohl über den Aufsichtsrat aber auch Beirat stattfinden. Jedes Familienunternehmen ist einzigartig. Was in dem einen Unternehmen höchst erfolgreich umgesetzt wird, muss in dem anderen keineswegs funktionieren. So wie auch jedes Unternehmen besonders ist, ist es auch die jeweilige Unternehmerfamilie. Daher muss jede Nachfolgelösung mit Respekt vor der Tradition und der besonderen Situation des jeweiligen Unternehmens und der Familie gefunden werden. Standardlösungen kann und darf es nicht geben. Ein Instrument, das den Respekt wahren und fördern soll, ist die Familienverfassung. Als Dokument darüber, wie man sein Unternehmen unabhängig und erfolgreich an die nächste Generation übergeben kann, werden in ihr die Vision und Mission sowie Strukturen und Regeln für das Familienunternehmen und die Unternehmerfamilie festgehalten.

      Ein Vehikel auf das die Familie Buddenbrook damals nicht zurückgreifen konnte, wäre es doch hilfreich, wenn auch nicht sicher erfolgsversprechend, für die Weiterführung des Betriebes in die nächste Generation gewesen.

      Für nähere Informationen den Abend betreffend, stehe ich Ihnen gerne jederzeit zur Verfügung.
      Wir werden zu diesem Thema aber im Frühjahr 2015 auf jeden Fall eine Nachfolgeveranstaltung machen und uns dabei eingehend mit der „Familienverfassung“ als Instrument eines unternehmensübergreifenden Reglements zur nachhaltigen Bestandsicherung der Familie über Generationen hinweg beschäftigen.

      WSH Deutsche Vermögenstreuhand und Family Office
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