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      16.04.2014 - WSH Schlossgespräche

      Das makroökonomische Umfeld und die Eurokrise

      Vorausschau auf das makroökonomische Umfeld 2014 und Überlegungen zur Euro-Zone als politische Union standen zur Debatte bei den WSH Schlossgesprächen am 03. April auf Schlosshotel Hugenpoet. Prof. Dr. André Schmidt und Prof. Dr. Joachim Starbatty erläuterten in kompakten, anschaulichen Vorträgen das Generalthema des Abends „Eurokrise – die schlafende Bestie“.

      Gastgeber Christoph Weber stimmte den kleinen Gästekreis in einer kurzen Begrüßungsrede auf die Redner ein, wobei deutlich wurde, dass beide Professoren schon gemeinsam geforscht hatten, dennoch aber durchaus verschiedene Blickweisen auf Wirtschaft und Währung in ihren wissenschaftliche Betrachtungen anlegen. In Bezug auf die Thematik des Abends stellte sich heraus, dass im Wesentlichen die Standpunkte geteilt wurden, so dass sich ein kontroverser Diskurs erst in der anschließenden Diskussion mit den Gesprächsteilnehmern ergab.

      Das Allokieren großer Vermögen ist nach der Finanzkrise 2008/2009 weniger planbar geworden, was aber nicht heißt, dass man sich hier im Blindflug befindet. Prof. Schmidt prognostiziert auf der Basis der aktuellen Daten für die nähere Zukunft bis einschließlich 2015, zumindest für den deutschen Wirtschaftsraum, ein deutliches Wachstum in der Größenordnung von 2 -2,4 % ab. Getreu des Mark Twain, Churchill und Tucholsky gleichermaßen zugeschriebenen Bonmots „Prognosen sind äußerst schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen“ verwies Schmidt auf die Belastbarkeit der Daten nur unter der Voraussetzung, dass nicht unvorhersehbare Ereignisse wie Terroranschläge oder Kriegsausbrüche die Weltwirtschaft beeinflussen. Zusammen mit Prof. Starbatty sieht er auf längere Sicht keine großen Veränderungen in der Leitzinsgestaltung, die vornehmlich durch die US-amerikanische Notenbank FED weltweit Signalwirkung ausübt. Auch die neue Chefin der FED, Janet Yellen, hat wie ihre Vorgänger bei der Geldpolitik die Beschäftigung in den USA im Blick. Die Zahlen hier haben sich deutlich verbessert, jedoch zeichnen sich keine sprunghaften Wachstumsschübe ab. Folglich wird sich der Leitzins zumindest bis Dezember in den USA nicht signifikant ändern. Für Europa sieht Prof. Schmidt die Phase niedriger Leitzinsen noch lange nicht beendet.

      Auf einen Einwurf aus dem Auditorium, ob denn bei den Prognosen ab 2015 auch die Schattenwirtschaft einbezogen sei und deswegen die Aussichten so günstig stünden, verwies Prof. Schmidt darauf, dass entsprechende Daten nur aus Schätzungen ableitbar seien und daher der klandestine Teil der Wirtschaft auf absehbare Zeit eher nicht mit ins Kalkül gezogen wird.

      Auch die Entwicklung in den Schwellenländern wird nach Prof. Schmidt hauptsächlich von der amerikanischen Geldpolitik bestimmt. In der Erwartung steigender Zinsen in den USA haben viele Anleger ihre Engagements in den Schwellenländern beträchtlich reduziert, wodurch die Währungen dieser Länder erheblich abgewertet haben. Schmidt warnt jedoch davor, nun alle Engagements in den Emerging Market grundsätzlich infrage zu stellen. Vielmehr ist eine differenzierte Betrachtungsweise notwendig. Länder mit fundamental schlechten makroökonomischen Daten – wie Argentinien oder die Türkei – sollten gemieden werden. Bei anderen Ländern jedoch sollte vor allem auf die Entwicklung der Leistungsbilanz geachtet werden. Länder mit positiver Leistungsbilanz könnten für Investoren interessante Alternativen für ihre Portfolioallokation als Beimischung darstellen.

      Immobilienblase, vagabundierendes Kapital und einige Fakten zur Weltwirtschaft inklusive Entwicklung in der Türkei leiteten zu Prof. Starbatty über, der vor allem durch seine zahlreichen Auftritte in verschiedenen Fernsehdiskussionen als Euro-Skeptiker bekannt ist. Er sieht nach wie vor die Eurokrise als nicht überwunden an und verweist darauf, dass trotz der jüngsten positiven Meldungen die Krise in Griechenland noch lange nicht überwunden sei. Der Anstieg der Produktivität sei nur auf die hohe Arbeitslosigkeit zurückzuführen. Unverändert hoch ist nach wie vor die Staatsverschuldung in Höhe von knapp 170 % des BIP. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass die Krise in den Euro-Staaten überwunden ist. Es wird noch lange Zeit einer akkommodierenden Geldpolitik Seitens der EZB und weiterer Kredithilfen bedürfen. Auch die positiven Wirtschaftsmeldungen in Deutschland stehen mit der Krise in der Eurozone in unmittelbarer Verbindung. Der Euro sei für Deutschland zu gering bewertet, so dass Deutschlands internationale Wettbewerbsfähigkeit damit künstlich gesteigert wird. Die Bundesregierung sollte diese Phase vor allem dazu nutzen, den bisherigen Schuldenstand beträchtlich zu reduzieren. Diese bisherigen Anstrengungen gehen Prof. Starbatty nicht weit genug. Zur Lösung der Krise plädierte Prof. Starbatty für einen temporären Austritt einzelner Länder aus der Währungsunion. Es geht nicht um die Abschaffung des Euros, aber für einzelne Länder sei der Euro einfach zu teuer. Grundsätzlich sieht er ein Scheitern des Modells Europa nicht als notwendige Konsequenz an. Es sei denn, Frankreich gerät ins wirtschaftliche Straucheln. Die Folgen einer solchen Entwicklung mag er sich nicht vorstellen, eine Einschätzung, die von dem Gros der Teilnehmer geteilt wurde. Hierbei handelt es sich allerdings, so Starbatty, mehr um ein Schreckensszenario denn um eine wahrscheinlich eintretende Entwicklung.

      Fazit: Die Aussichten für solide Anlagen sind stabil, weil weltweit positive Markttendenzen zu beobachten und einschneidende Veränderungen in Wirtschaft und auch Politik auf die nächsten zwei bis vier Jahre nicht anzunehmen sind.

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