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Die Erosion der Unabhängigkeit:
Warum echte Multi Family Offices zur Rarität werden

Catharina Weber, Geschäftsführerin WSH Family Office GmbH
Catharina Weber, Geschäftsführerin WSH Family Office GmbH

Ein Weckruf für Unternehmerfamilien zur aktuellen Konsolidierungswelle im deutschen Wealth Management

Der Markt für Multi Family Offices (MFO) in Deutschland steht an einem historischen Wendepunkt. Während das verwaltete Vermögen privater Dynastien wächst, schrumpft das Angebot an echter, produktfreier Beratung paradoxerweise zusammen. Die einstigen Pfeiler der Unabhängigkeit geraten ins Wanken: Namhafte Akteure werden durch globale Finanzgruppen übernommen, kämpfen mit wirtschaftlicher Instabilität oder haben ihre Philosophie zugunsten lukrativer Eigenprodukte und Inhouse-Fonds aufgeweicht.

In diesem Umfeld der Konsolidierung stellt sich für vermögende Familien und Vermögensinhaber eine entscheidende Frage: Wer sitzt noch wirklich auf meiner Seite des Tisches?

Die Honorar-Illusion: Beratung gibt es nicht zum Nulltarif

Viele Vermögensträger erkennen oft zu spät: Ein Family Office muss genauso bezahlt werden wie ein spezialisierter Rechtsanwalt oder Steuerberater. Wer glaubt, hochkomplexe Familienstrategien als „Service-Beigabe“ von Banken oder Vermögensverwaltern zum Nulltarif zu erhalten, ignoriert die ökonomische Realität.

Sobald der Berater an Kick-backs oder Eigenprovisionen verdient, ist der Mandant für ihn eine Rechengröße in seiner Provisionsbilanz

Banken und klassische Vermögensverwalter befinden sich in einem unauflösbaren Interessenkonflikt. Ihre DNA ist auf den Abverkauf von Assets und das Erreichen von Quartalszielen durch Provisionen oder versteckte Rückvergütungen (Kick-backs) programmiert. Ein Family Office innerhalb einer Bank ist systembedingt ein Vertriebskanal, kein loyaler Sachwalter.

Die Hybris der „Eierlegenden Wollmilchsau“

Genauso problematisch wird es bei MFOs, die glauben, sie müssten selbst die „bessere“ Vermögensverwaltung sein und eigene Produkte emittieren. Das ist pure Hybris. Ein MFO mit einem Bruchteil der Ressourcen globaler Investmenthäuser wird im Asset Management nie dauerhaft in den Top-Quartilen mitspielen können.

Wer selbst Produkte anbietet, begibt sich in direkte Konkurrenz zu genau den Playern, die er für seine Mandanten eigentlich sourcen, prüfen, kontrollieren und steuern sollte. Man kann nicht Schiedsrichter und Sturmspitze gleichzeitig sein.

Der Lackmustest: Drei Fragen, die Klarheit schaffen

Um zu prüfen, ob ein Family Office wirklich die Interessen der Familie vertritt, reicht oft ein Blick hinter die Kulissen der Investment-Entscheidungen. Stellen Sie Ihrem Berater diese drei Fragen:

  1. „Wie hoch ist der Anteil an hauseigenen Strategien oder Fonds im Portfolio?“
    Jedes Prozent ist ein struktureller Interessenkonflikt.
  2. „Erhalten Sie Rückvergütungen von Drittmanagern und fließen diese zu 100% an mich zurück?“
    Transparenz endet oft dort, wo Provisionen die Objektivität vernebeln.
  3. „Wer kontrolliert Ihre Auswahlprozesse?“
    Ein Office, das sich selbst kontrolliert, hat eine systemische Schwachstelle. Echte Unabhängigkeit braucht die
    strikte Trennung von strategischer Architektur und operativer Umsetzung.

Während sich die Marktlandschaft in den letzten Jahren durch Übernahmen, Neuausrichtungen und die Einführung von Eigenprodukten wieder einmal fundamental gewandelt hat, beruht unser Modell bei der WSH auf einer bewussten Entscheidung zur Beständigkeit. Als das erste unabhängige Multi Family Office in Deutschland verstehen wir unsere Rolle nicht als statisches Geschäftsmodell, sondern als ein gewachsenes Versprechen gegenüber den von uns begleiteten Mandanten.

Dabei leiten uns drei Grundsätze, die wir über die Jahre nie zugunsten einer kurzfristigen Ertragsmaximierung aufgegeben haben:

  • Die strikte Rollentrennung: Wir verstehen uns konsequent als strategische Architekten des Vermögens. Unsere Aufgabe ist die objektive Steuerung und die kritische Kontrolle der externen Asset Manager. Indem wir darauf verzichten, selbst als „Handwerker“ (Vermögensverwalter) aufzutreten, vermeiden wir die Konkurrenzsituation zu jenen Playern, die wir im Sinne unserer Mandanten eigentlich objektiv bewertenmüssen.
  • Wirtschaftliche Distanz zu Finanzprodukten: Unabhängigkeit dokumentiert sich für uns in dervollständigen Abwesenheit eigener Fonds oder Emissionsgeschäfte. Unsere Honorarstruktur ist so aufgesetzt,dass sie ausschließlich die Interessen der Mandanten widerspiegelt. Diese Produktabstinenz ist für uns daseinzig wirksame Mittel, um jede Form von versteckten Anreizsystemen auszuschließen.
  • Inhabergeführte Perspektive: Als inhabergeführtes Haus unterliegen wir keinen Konzernvorgaben oderQuartalszielen externer Aktionäre. Dies erlaubt uns eine Beratungskultur, die in Generationen denkt. Wir sinddavon überzeugt, dass wahre Mandantenloyalität nur dort gedeihen kann, wo die langfristige Vermögensubstanz der Familien über die kurzfristige Gewinnmaximierung des Beraters gestellt wird.

Fazit

Die Konsolidierung am Markt führt zu einer „Produktivierung“ der Beratung. Für Unternehmerfamilien und Vermögensinhaber, die keine Standardlösungen suchen, bleibt die Auswahl begrenzt. Echte Unabhängigkeit findet man dort, wo sie seit Jahrzehnten ohne Eigentümerwechsel und ohne Eigeninteressen gelebt wird.