Business as Usual

von Univ.-Prof. Dr. Andre Schmidt

Der Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine am vergangenen Donnerstag hat die Finanzmärkte nur kurz beeindruckt, insgesamt erwiesen sich die Märkte als recht stabil. Das ist aus ökonomischer Sicht wenig überraschend und lässt sich auch sehr gut erklären. So zynisch es sich auch anhört, aber die Finanzmärkte haben vor steigenden Zinsen viel mehr Angst als vor einem Krieg. Im Gegenteil, durch den Einmarsch der russischen Truppen und der damit weltweit angespannten Sicherheitslage, die sich auch auf die konjunkturelle Situation auswirken kann, schöpfen die Finanzmärkte die Hoffnung, dass die Zinsentscheidungen der US-Fed und insbesondere der EZB aufgeschoben und auch nicht so drastisch ausfallen werden, wie noch vor wenigen Tagen befürchtet. Die Finanzmärkte dürfen darauf hoffen, dass die Liquiditätsschleusen wieder geöffnet werden oder offenbleiben, woraus weiter steigende Kurse resultieren. Das heißt, die noch vor einer Woche angekündigten und befürchteten Turbulenzen an den Finanzmärkten könnten sich daher nur noch als ein laues Lüftchen erweisen. Dabei gilt, je länger die politischen Instabilitäten anhalten und je länger dieser Krieg dauert, desto eher ist mit steigenden Kursen zu rechnen.

Zu den Gewinnern werden vor allem vor allem die Rohstoffmärkte zählen sowie alle Unternehmen, die im Geschäftsfeld der Rüstungsgüter operieren, denn der Westen wird nun sehr schnell seine Nachfrage nach Rüstungsgütern erhöhen. Zu den Gewinnern werden auch der US-Dollar als sicherer Hafen zählen, der Schweizer Franken als inflationsstabile Währung und vor allem Kryptowährungen. Auch der Goldpreis wird von der gestiegenen Unsicherheit profitieren.

Die konjunkturellen Effekte des Krieges sind dabei zweitrangig. Durch die von den Zentralbankenpolitiken bewirkten Entkopplungen der Finanzmärkte von der Realwirtschaft werden die realwirtschaftlichen Auswirkungen dieses Krieges allenfalls nur langfristig eine Rolle spielen. Zunächst wird dieser Krieg angebotsbedingt die ohnehin schon hohen Inflationsraten weiter ansteigen lassen.

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WSH-Telex-2022-02-28.pdf

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