Narrative und die Finanzmärkte

von Univ.-Prof. Dr. Andre Schmidt

Die ökonomische Theorie hat es sich zur Aufgabe gemacht, einzel- und gesamtwirtschaftliches Tauschverhalten zu untersuchen und dessen Auswirkungen zuanalysieren. Tauschvorgänge sind allgegenwärtig. Auch die Transaktionen auf den Finanzmärkten stellen letztendlich nichts anderes als Tauschvorgänge dar.Konstituierend für alle Formen von Tauschprozessen ist, dass diese aus der Sicht der Tauschpartner dazu geeignet sein müssen, die Nutzen- bzw. Gewinnpositionder Akteure zu steigern. Ohne die Erwartung, dass der Tausch lohnend ist, würden keine Tauschprozesse stattfinden. Damit wird deutlich, dass mit jeder Formeiner Markaktivität Erwartungen aus einer Handlung verbunden sind, die auf subjektiven Präferenzen und Urteilen beruhen. Nur in den wenigsten Fällen basierenökonomische Handlungen auf harten ökonomischen Fakten. Meistens werden sie somit von subjektiven Erwartungen geprägt.


Genau an dieser Stelle kommt die verhaltensökonomische Forschung ins Spiel, die im Rahmen der Prospect-Theory gezeigt hat, dass die Marktakteure weder dieRisiken an den Märkten richtig einzuschätzen vermögen, noch in der Lage sind, die wahren Werte der getauschten Güter, Dienstleistungen und Rechte beurteilenzu können. Ihr Marktverhalten ist von Verlustaversion und Status Qua-Denken sowie weiteren sogenannten Verhaltensanomalien geprägt. Die Prognosendarüber, welche Entwicklungen sich an den Finanzmärkten in den nächsten Jahren ergeben könnten, werden daher sowohl von den makroökonomischen Fundamentaldaten als auch von den subjektiven Erwartungshaltungen geprägt und vor allem deren Wechselwirkung mit der makroökonomischen Entwicklung.In diesem Zusammenhang spielen vor allem die ökonomischen Narrative eine besondere Rolle. Darauf wies in der letzten Woche der Nobelpreisträger RobertShiller in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung hin.


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WSH-Telex-2022-01-31.pdf

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