Ohne Bremse in die Stagflation!

von Univ.-Prof. Dr. Andre Schmidt

Die strukturelle Inflation ist zurück! Wer die gegenwärtige Situation der Weltwirtschaft analysiert, der fühlt sich sehr schnell an die frühen siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts erinnert. Am 6. Oktober 1973 brach der Jom-Kippur-Krieg zwischen Israel auf der einen Seite und Syrien sowie Ägypten auf der anderen Seite aus. Die unmittelbare Folge dieses Krieges war die erste weltweite Ölpreiskrise, die Deutschland 1973/74 die autofreien Sonntage und eine generelle Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit auf 100 km/h auf den deutschen Autobahnen bescherte. Der akuten Ölpreiskrise in den siebziger Jahren war zuvor eine massive Reduktion der Ölproduktion und Exploration in den USA vorangegangen, die zu einer Verringerung der weltweiten Kapazitäten führte. Als im Zuge des Jom-Kippur-Krieges die OPEC ihre Fördermengen, um Israel und den Westen unter Druck zu setzen, massiv reduzierte, erschütterte die erste Wirtschaftskrise nach dem zweiten Weltkrieg mit hohen Inflationszahlen und rückgängigen Wachstumsraten die Weltwirtschaft. Der Begriff der Stagflation war geboren.

Wie sich die Bilder gleichen! Wie bereits in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, haben die westlichen Öl- und Gasgesellschaften, dieses Mal aufgrund der Green Taxanomies, ihre Investitionen in den Kapazitätsausbau und in die Exploration von fossilen Energieträgern faktisch eingestellt. Die Exploration der Förderung fossiler Energieträger findet weltweit nur noch in Russland, China und in den OPEC-Staaten statt. In Mitten dieser Kapazitätsreduktion wird die Weltwirtschaft nun von dem Krieg Russlands gegen die Ukraine erschüttert. Die steigenden Preise für Öl- und Gas sind hierbei die logische Konsequenz der Märkte. Sollte es dabei noch zu einem Stopp russischer Öl- und Gaslieferungen kommen, wird sich der Preisanstieg deutlich weiter beschleunigen.

Im Unterschied zu den beschriebenen Ereignissen der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts steht jedoch zu befürchten, dass der inflationäre Druck für die gegenwärtige Weltwirtschaft als wesentlich höher einzuschätzen ist. Das liegt vor allem daran, dass die Invasion Russlands in der Ukraine auch die beiden wichtigsten Exporteure von Weizen, Gerste und Mais auf den Weltmärkten betrifft, so dass nicht nur steigende Energiepreise eine Folge dieses Konfliktes sein werden, sondern vor allem auch steigende Lebensmittelpreise. Die sozialen Folgen steigender Energie- und Lebensmittelpreise werden in der Weltwirtschaft auch vor den reicheren Ländern nicht Halt machen und die Notwendigkeit der Ausweitung staatlicher Transfers begründen.

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WSH-Telex-2022-03-14.pdf

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